Zehn Jahre, eine Dekade, betreibe ich meinen Blog. Das ist für die immer schneller abstumpfenden Internet-User eine ziemlich lange Zeit. Daher erlaube ich mir ein paar Gedanken zu dem Thema Motorradfahren, MotorradfahrerInnen im Internet und Social Media und die Entwicklung der Hersteller - von Motorrädern, Zubehör und Bekleidung.
Der nächste Anlauf
Diesen Artikel beginne ich jetzt eigentlich schon zum xten Mal. Die Entwürfe waren mir zu lang, zu schwülstig, zu irgendwas. Ich bin kein Mensch, der mit irgendwelchen Pseudoweisheiten unter den Instagram-Bildern irgendwelchen Clickbait betreibt (nur manchmal ;-) ) Von mir gibt's nur original Mo im Netz zu sehen. Angefangen hab ich übrigens mit der Domain VS1400.bike - bevor ich umgezogen bin zu mosbike.blog
Das Umherschmeißen von Rabatt-Codes für irgendwelche Produkte gibt's auch nicht. Ich bin glücklich, wenn ich ein paar wirklich gute Kooperationspartner über die Jahre hatte & habe, mit denen ich gut zusammenarbeiten kann. So zum Beispiel Hepco & Becker, Wunderkind und cardo. Mir ist, wie schon zu Beginn vor 10 Jahren, meine Unabhängigkeit wichtig. Deshalb sind schon Produkte zurückgeschickt oder Tests abgebrochen worden, weil sie nicht in mein Motorradleben gepasst haben. Und bevor ich mich für etwas verbiegen muss, lasse ich es lieber.
Immer dieser sch... Feminismus
So ähnlich hat sich mir gegenüber ein Redakteur der Custombike mal geäußert. Ja, diesen feministischen Scheiß betreibe ich auch seit Anbeginn meines Blogs. Die ersten, die aufgrund sexistischer Werbung dran glauben mussten, war Held Bikerfashion. Da kam der Artikel Helden des Chauvinismus im März 2016 raus. 2017 durfte ich in deutscher Sprache den Artikel von Michael Uhlarik auf meinem Blog veröffentlichen: Frauen sind das Geheimnis des Markterfolgs
Auch kann ich mit den Teveo-Leggingstragenden jungen Frauen nichts anfangen. Sie füttern den Male Gaze (Blick aus der Perspektive eines Mannes). Nein, nicht alles, was Frauen tun, zahlt auf den Feminismus ein und nicht jede Kritik von Frau an Frau kann man mit dem Buzzword internalisierte Misogynie zum Schweigen bringen. Das ist Choice-Feminismus - aber diese "Wahlfreiheit" ist eben nicht für alle gleich. (Ich lass das jetzt mal so stehen, sonst wird das noch ein tieferer Exkurs in den Feminismus - ansonsten: Educate yourself: Benutz Google).
Wenn mir mal wieder ein Mann mit seinem Bauchgefühl kommt, dass es doch jetzt wesentlich mehr Frauen auf Motorrädern gibt, dem haue ich die nackten Zahlen um die Ohren. Und die sind, seit ich die Zeitreihe beim Kraftfahrtbundesamt verfolge, immer gleich: rund 20% der Führerscheinerwerber sind weiblich. Klar, wenn früher nur 200.000 Menschen den FS gemacht haben und jezt 250.000, ist das zahlenmäßig mehr. Doch verändert sich nicht das Verhältnis. Wir können den genauen Bestand an bewusst gemachten Motorradführerscheinen bei Frauen erst dann wirklich sehen, wenn alle Jahrgänge, die bis April 1980 ihren Autoführerschein gemacht haben, aus der Statistik herausfallen. Diese Fahrerinnen haben den A1 „geschenkt“ bekommen, sodass die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen erst dann bereinigt ist.
Mir wurde schon mal vorgeworfen, Männer zu hassen, nur weil ich gerne andere Motorradfahrerinnen unterstütze (#WomenSupportWomen). Bei einer Facebook-Seite, für die ich geschrieben habe, wurde ich rausgeworfen (ohne, dass ich darüber unterrichtet wurde - ziemlich feige und armselig), weil ich mit Fakten darauf hingewiesen habe, dass es in der Motorradszene immer noch keine Gleichstellung der Geschlechter gibt.
Den Cruisern/Choppern treu geblieben
In den zehn Jahren bin ich den dicken Eisenhaufen treu geblieben. Ein Ausflug mit der umgebauten XJR 1300 ist recht schnell beendet gewesen. Vier-Zylinder und diese Sitzposition sind einfach nicht meins. Mittlerweile steht mein 7. Motorrad in der Garage und freut sich auf die kommende Saison: Meine Indian Chief Dark Horse namens Iltschi . Leider konnte die Triumph Speedmaster bei mir das Feuer nicht entfachen. Dinge passieren.
Motorräder, Menschen, Events
Viele Menschen im Motorradumfeld durfte ich durch den Blog kennenlernen. Angefangen habe ich mit meiner Reihe "Bikerinnen" gleich 2015, weil ich Frauen mit Choppern sichtbarer machen wollte. Ist irgendwann eingeschlafen, da es nun mal eher wenige Frauen mit Eisenhaufen gibt. Der Marktanteil an Choppern/Cruisern liegt bei rund 5,8%. Und wenn wir dann davon ausgehen, dass 30% der Motorradführerscheine auf Frauen registriert sind, naja kann man sich ja dann selbst ausrechnen.
Über die Jahre haben sich einige wenige, aber dafür sehr schöne Verbindungen und Freundschaften mit anderen Motorradfahrerinnen gebildet. Auch wenn man sich nur selten im wahren Leben sieht, ist es immer ein herzliches Hallo. Natürlich gab es auch so einige "Dampfplauderer", die mehr Schein als Sein waren.
Meine beste Freundin habe ich durch Facebook kennengelernt, sie wohnt im Nachbarort und wir fahren viel gemeinsam oder mit unseren Männern zusammen. Perfect Match sozusagen.
Vor fünf Jahren wurde von mir ein Frauen-Motorrad-Stammtisch aus der Taufe gehoben, der sich mittlerweile Die fliegenden Einhörner nennt. Zum Start als reine Chopper/Cruiser Vereinigung gegründet, fahren wir seit 2 Jahren in einer bunt gemischten Modellpalette durch die Region Ostalb / Hohenlohe. Wir treffen uns 1x im Monat und machen mindestens 1x im Jahr ein gemeinsames, langes Wochenende.
Seit 2015 gibt es den bike woman award - gegründet von Frauke Tietz, ehemals fembike und Stephan Maderner, bike & business Chefredakteur. Fand ich anfänglich gut, etwas für die Sichtbarkeit von Frauen im Motorradbusiness zu tun. 2019 war ich bei der Abendgala als zahlender Gast dabei und habe trotzdem die Gala als Live-Stream übertragen.
2022 unterstützte ich den Award sogar als Jurymitglied und Communitypartnerin. Die Ehrung der Kandidatinnen fand auf der Intermot in Köln statt. Was eher einer One-Man-Show glich. Auch hier habe ich (und nicht nur ich) alles auf eigene Kosten gestemmt: Ein paar Tage Urlaub geopfert, Fahrt im Oktober von Schwäbisch Gmünd in meine alte Heimat, nach Essen. So konnte ich zumindest ein paar Kröten für die Übernachtung sparen und meine Familie sehen. Fahrt zur Intermot nach Köln, wieder zurück nach Schwäbisch Gmünd.
Hier war viel Arbeit und Kosten und wenig Ehre der Lohn. Danach stand für mich fest: Ich bin nicht nur Erfüllungsgehilfin und werde das nicht mehr tun. Es ist auch sehr schade, dass dieser Award es nicht so wirklich aus dieser kleinen Bubble heraus geschafft hat. Aber gut, nicht meine Baustelle.
2023 fand unter meiner Regie das Frauen-Motorradtreffen "Einhorntreffen" am Rand der Stadt Schwäbisch Gmünd statt. Hier arbeite, lebe und liebe ich seit 2013. Schwäbisch Gmünd hat nämlich ein Einhorn im Wappen.
Leider entpuppte sich der Kooperationspartner als nicht so zuverlässig, mein deutscher Ansprechpartner als Dampfplauderer ohne Biss. Das war mir am Ende doch zu viel Arbeit und privates Geld, das ich dort reingebuttert habe.
Daher gibt es leider keine Wiederholung - obwohl ich sehr, sehr gerne alle tollen Frauen wieder hier auf der Ostalb begrüßt hätte.
Deshalb habe ich ab dem Jahr 2024 für mich beschlossen, nur noch Dinge zu tun, die für MICH gut sind. Und das ist mehr Fokus auf Videos, auf Videobeiträge, in denen ich vor der Kamera stehe - ohne Teveoleggings - Ich möchte einfach zeigen, dass nicht nur alte Herren mit Pfeife vor der Kamera herumnuscheln können ;-)
Unkraut vergeht nicht
Ich möchte mal behaupten, dass ich eine der wenigen noch wirklich aktiven Bloggerinnen bin, die es so lange gibt. Bin ich schon etwas stolz drauf.
Ist natürlich auch eine Frage, wie man Blog definiert heutzutage. für mich ist es das hier: Man hat eine Webseite, auf der man seine Gedanken und alles andere zu einem Thema oder sich veröffentlicht, in mehr oder minder regelmäßigen Abständen. Instagram findet hauptsächlich mobil statt, man kann schlecht einen Account durchsuchen und bietet aus meiner Erfahrung keinen sogenannten Evergreen Content, also Inhalte, die man immer wieder nutzen und wiederveröffentlichen kann.
Auf die nächsten Jahre
Natürlich geht's weiter! Die Welt darf einer Frau auf und mit dem Motorrad beim Altern zuschauen. Davor werde ich Euch nicht verschonen. Eben so nicht, vor meiner Meinung.
Love it or leave it!
Danke, dass ihr bis hier her gelesen habt - lasst doch einen Kommentar da!
Eure Mo!