Nachgedanken - Harley Davidson Eurofestival St. Tropez

Jeep & Harley Festival St. Tropez

Ich erlaube mir ein paar persönliche Nachgedanken zum Euro Festival von Jeep und Harley-Davidson in St. Tropez. Dafür habe ich meinen Blog - ich bin unabhängig.

Haute­vo­lee

 St. Tropez ist ja nun ein Ort, an dem die Schönen und Reichen anzutreffen sind. Im Hafen liegen die Yachten und abends klingt Musik und Partystimmung von den schwimmenden Luxusunterkünften. Die Preise sind gesalzen und die Gegenleistung nicht gerade üppig. Die Festivalmeile war im benachbarten Port Grimauld am Strand eines Ferien-Villages angesiedelt. Die Preise nicht weniger üppig. Alle Zelte auf der Meile ordentlich im Corporate Design von Harley durchgestyled. Merchandising at its best. Harley-Jünger aus aller Herren Länder mit ihren HOG Chapter-Patches, damit auch gleich klar ersichtlich wurde, woher der Herr Rechtsanwalt oder der Herr Doktor kommt. Ob diese dann auch die x-tausend Kilometer selbst auf dem Stahlross sich den Hintern plattgesessen hatte oder doch eher im Nobel-SUV mit dem Glanzstück auf dem Hänger, lasse ich jetzt mal offen ...

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Ein Hauch der Spießigkeit

Das Gefühl von Freiheit und Wildnis kam hier irgendwie nicht auf. Dafür war einfach alles viel zu künstlich und bemüht. Manchmal machte es eher den Eindruck, als würden die meisten für eine Woche Rocker spielen, um dann wieder in ihren langweiligen Job zurück zu müssen. Es hatte für mich kein Motorrad-Treffen-Feeling: Wo war das Lagerfeuer? Wo die Wiese für die Zelte? Siffige Klos und angeschiggerte Jungs schon um 11 Uhr in der Wiese? Alles Fehlanzeige. Dafür teures Bier, Menschen Mittleren Alters - logisch, als Junger fährt man keine Harley und kann sich auch den teuren Ausflug an die Côte d'Azur nicht leisten - Einheitsbrei Klamotten - logisch, war ja ein Markentreffen, da bekommt man nur Harleysachen, alle haben brav in ihren Mobilehomes des Vilages gewohnt, auf Nobelcampingplätzen in der Nähe oder vielleicht auch Nobelherbergen, ab und an mal ein 81er in Bermudas und alles war nett. Noch nicht mal die erwarteten halbnackten Mädels mit Silikonbrüsten standen an irgendwelchen Bikes rum - ich war enttäuscht. Ein Ausflug mit dem Seniorenheim wäre bestimmt anrüchiger und lustiger geworden. 

Custombikemäßig waren natürlich viele wunderschöne, schräge oder sonst wie geartete Motorräder dabei. Und viele von der Stange. Ist ja schon teuer genug, so ein Markenprodukt, wenn man zu diesem "elitären" Kreis gehören möchte. Leider hatte ich nicht das Vergnügen, abends bei den Bands dabeisein zu können, vielleicht wäre da doch ein Hauch "böses Buben-Treffen" aufgekommen. Wir waren voll durchgeplant und haben in irgendwelchen Nobel-Strandrestaurants oder IN-Bars gegessen.

Foto: Thomas StarckTest-Ride durch's Hinterland

Selbst durfte ich zwei Tage Harley-Fahrfeeling testen mit einer forty-eight und einer Iron. Die Schlachtschiffe mit Windshield und Trittbretter haben mich für die Gegend nicht gereizt. Überzeugen konnten mich beide nicht. Die Iron scheidet aufgrund ihrer geringen Hubraumzahl schon aus, die forty-eight kommt mit dem dicken Luffi, den hängenden Spiegeln und dem viel zu geringen Tankvolumen sowie so nicht in Frage. Ich habe für mich festgestellt, dass ich die zickige Gasannahme genauso wenig mag und die Hebelei viel schwergängiger ist, als bei meiner Susi.

Show and Shine

Dieses Event hat mir wieder einmal gezeigt, dass Harley ein saugutes Marketing hingezaubert hat. Bravo - das verdient riesen Respekt, die Strategie ist klasse. Doch haftet der Marke meines Erachtens eher der Duft von midlifecrises gebeutelten End-Vierziger-Anwälten an, als der von Freiheit und Wildnis. Es ist schade, dass andere Motorrad-Hersteller es einfach nicht hinbekommen, endlich wieder klassische, schlanke Eisenhaufen zu bauen, wie sie es beispielsweise mit der Intruder der 90er getan haben. Stattdessen bekommt man nur noch Schlachtrösser, die für manche Gegenden fast unfahrbar geworden sind. Oder wie bei Honda viel Eisen mit zu wenig Leistung (z.B. 750er Shadow). Zum Glück blüht seit wenigen Jahren der Mitbewerb durch Polaris wieder auf: Indian und Victory haben alles, was das moderne Eisenbiker-Herz begehrt - bisher ohne künstlich blank poliertes Saubermann-Image. Und das Beste: die sieht man nicht so oft, es ist noch etwas Besonderes. Während am Wochenende an allen Ecken dutzendweise Harleys zu hören und zu sehen sind. 

Imagewandel

Schade ist es ebenfalls, dass durch so eine Hochglanzvermarktung der Eindruck entsteht, Harley-Fahrer seien etwas "Besseres" unter den Eisenbikerfahrern (gut, ähnliches haftet dem GS-Fahrer auch an ;-) ). Auch erwecken einige H-D-Besitzer den Anschein, das einzig wahre Motorrad sei eben solches und lassen andere ihre Verachtung spüren. Sie können es gar nicht verstehen, dass man seine Trude gar nicht abgeben will. Sobald ich bei Harley-Fahrern nur erwähne, dass die Sporty oder Iron nicht mein Ding sind, beginnt ein Glaubenskrieg. Ich möchte nicht missioniert werden - ich kann mir selbst eine Meinung bilden. Harley ist mittlerweile so Mainstream, dass es schon an den typischen silbernen Mercedes der Senioren erinnert. Hat halt jeder, der ein gewisses Alter hat.

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